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EBSW - Bericht von der Tandemfreizeit 2023

„Wer reist, kann was erleben!“

Am 20. Juli trafen wir uns zu einer 4-tägigen Tandemfreizeit durch das Neckartal und durch den Odenwald, für die ich extra in großer Vorfreude aus dem fernen Dresden anreiste. Wir waren 6 sehbehinderte Teilnehmer und 7 Piloten. Um es gleich vorweg zu nehmen, es war eine anstrengende, aber wunderschöne Tour, auf der uns Herbert Häußer und Achim Gäckle in den nächsten Tagen leiteten.

Am Morgen des 20. Juli trafen wir uns erst einmal in Unterweissach, wo sich die meisten Tandemfahrräder befanden. Die Teams mussten sich erst zusammenfinden, manche fahren bereits viele Jahre miteinander und manche kannten einander noch gar nicht. Ich als neue Teilnehmerin kannte weder die Piloten noch die anderen Teilnehmer, wurde aber herzlich und selbstverständlich in die Runde aufgenommen. Das tat sehr gut. Mein Pilot war Hauk, der vorher noch keinen Kontakt mit Blinden oder Sehbeeinträchtigten hatte.

Es gab erstmal einiges zu klären. Wie hoch der Sattel? Passt das mit den Pedalen? Welches der Pedale nach oben beim Starten? Dann ging es endlich los: über Kirchberg, Neckarsulm und Bad Wimpfen nach Neckarelz bei Mosbach. Das waren 92 km an diesem ersten Tag! Unser Gepäck wurde für uns mit dem EBSW-Bus zu unserer Unterkunft in das kath. Bildungshaus Bruder Klaus in Neckarelz, gefahren. Aus dem Stand 92 km zu schaffen, war nicht einfach. Wir stellten fest, dass die Fitness unter den Teilnehmenden und Piloten unterschiedlich ausgeprägt war. Wir waren angenehm gemischt im Alter, von Ende 70 bis zu meinen Mitte 30 war alles dabei.

Ich berichtete bereits dass die Tour anstrengend war. Nun möchte ich aber auch von den wundervollen Eindrücken erzählen, die man auf dem Tandem mit allen Sinnen genießen kann: vorbei an kleinen Dörfern und Weilern, an Hopfen-, Mais- und Rapsfeldern, an Weinbergen, an Mooren vorbei – hoppla, was war denn das? Eine Furt, durch die wir mit Schwung geradelt sind, wie mir Hauk, mein Pilot, dann sagte.

„Über wie viele Brücken wirst du heute radeln?“, dachte ich mir irgendwann. Und Vorsicht Poller! An den beiden Seiten einer Brücke können diese tückischen Hindernisse zum echten Problem für ein Tandem werden, wenn man nicht aufpasst. Nun eine Straßenüberquerung: Müssen wir absteigen und schieben oder nicht? Schaffen wir‘s noch, ohne abzusteigen?

Und dann in Höchstgeschwindigkeit bergab – gefühlt so schnell wie der Wind, der mir um die Nase weht – und dann in voller Fahrt Kurve nach rechts – „Manchmal ist es gut, es nicht zu sehen“, habe ich zu Achim gesagt. Nicht zu sehen, sondern zu vertrauen.

Es war für mich als blinder Sozius auf dem Tandem furchtbar aufregend: den richtigen Rhythmus als Tandemteam zu finden, nicht zu viel Kraft, um nicht auf den nächsten aufzufahren und auch nicht zu wenig, damit wir die anderen nicht verlieren. Nicht, dass uns das nicht hin und wieder passiert wäre!

Nach einem abenteuerlichen Tag kamen wir geschafft, aber stolz in Neckarelz an, wo im Bildungshaus ein reichhaltiges Abendessen und eine wohltuende kalte Dusche auf uns warteten. An den nächsten Tagen unternahmen wir Touren nach Neckarsulm ins Zweiradmuseum, nach Mudau im Odenwald und am letzten Tag wieder zurück nach Unterweissach. Die täglich zu überwindenden Distanzen bewegten sich zwischen 56 und 92 km.

Am Morgen hielt Achim Gäckle uns eine kleine Andacht, und wir sangen miteinander, bevor wir uns auf die Räder schwangen. Mittags kehrten wir unterwegs ein.

Die Atmosphäre unter den Teilnehmenden war sehr herzlich und offen. Zum Tagesausklang haben wir uns bei einem guten Getränk ausgetauscht und diskutiert.

Ich habe die Tour sehr genossen, und ich denke, damit kann ich auch für die anderen sprechen. Ein herzlicher Dank gilt unseren Piloten und der Pilotin, die uns diese Freizeit erst möglich machten und im Besonderen natürlich Achim Gäckle und Herbert Häußer, die die Leitung innehatten, sowie den Förderern, ohne die die Freizeit nicht zu diesen Bedingungen möglich gewesen wäre.

Lydia Hänsel

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