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EBSW - Wort auf den Weg 2/2021

Das Gedächtnis des Herzens

Liebe Mitglieder und Freunde des EBSW!

Es gibt ein Gedächtnis, das hängt mit dem Kopf zusammen. Der eine behält leichter, der andere vergisst schneller. Und es gibt ein Gedächtnis, das hat viel tiefere Wurzeln. Die Wurzeln dieses Gedächtnisses sitzen im Herzen. Das Gedächtnis des Herzens heißt Dankbarkeit.

Diesen Gedanken von Phil Bosmans teilte vor kurzem ein palliativ behandelter Patient mit mir, und er sagte dabei: Meine Aufgabe ist es nun wohl, Dankbarkeit auch für diese Krankheit zu lernen. Was für eine schwierige Aufgabe, dachte ich. Und gleichzeitig konnte ich mich mit ihm austauschen darüber, dass erstaunlicherweise gerade durch eine schwere Krankheit oder durch einen deprimierenden Schlag eben auch Dankbarkeit erwachsen kann für viele Dinge, die man schon erleben konnte, für Momente, die einen beglückt haben, für Menschen, die einem ans Herz gewachsen sind.

Auch bei mir persönlich gab es in den vergangenen vier Jahren einige gesundheitliche Einschläge. Ich hätte gerade mal gerne darauf verzichten können. Was aber schön daran ist: Immer wieder bin ich grundlos aus tiefstem Herzen glücklich. Einfach glücklich, dass ich am Leben bin. Dass mein Atem geht. Dass ich liebe Menschen an der Seite habe. Dass ich in einem kleinen heimeligen Haus wohne. Dass ich eine schöne Berufstätigkeit habe. Dass es in meinem Garten grünt und blüht und der Geschmack einer süßen sonnenwarmen Tomate durch nichts zu bezahlen ist.

Das Gedächtnis des Herzens heißt Dankbarkeit.

So erinnere ich mich sehr gut an eine meiner ersten Beerdigungen. Ein alter Mann, der für mein Verständnis nicht gerade vom Leben verwöhnt worden war, wünschte sich, mit einem Liedvers bestattet zu werden, der sein ganzes Leben am besten ausdrücke, nämlich:

Lobe den Herren,
der künstlich und fein dich bereitet,
der dir Gesundheit verliehen,
dich freundlich geleitet.
In wieviel Not
hat nicht der gnädige Gott
über dir Flügel gebreitet.
EG 317,3

Im Evangelischen Lebensbegleiter gibt es beim Monatsthema „Gebet“ eine schöne Anregung, die heißt:

Halte einmal am Tag inne,
nimm dein Herz in die Hände.
Lausche auf seinen Klang und danke Gott,
dass du fühlen und lieben kannst.

Halte einmal am Tag inne,
nimm dein Leben als Geschenk in die Hände.
Danke Gott, dass du wunderbar gemacht bist.

Halte einmal am Tag inne,
berge deine Phantasie, deinen schöpferischen Geist in deinen Händen.
Danke Gott für alle Schätze,
die er in dich gelegt hat.

Es gibt ein Gedächtnis, das hängt mit dem Kopf zusammen. Der eine behält leichter, der andere vergisst schneller. Und es gibt ein Gedächtnis, das hat viel tiefere Wurzeln. Die Wurzeln dieses Gedächtnisses sitzen im Herzen. Das Gedächtnis des Herzens heißt Dankbarkeit.

In diesem Sinne hoffe und wünsche ich, dass Sie, dass wir mit einem guten Gedächtnis gesegnet sind.

Pfarrerin Alja Knupfer

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© 2014 by EBSW | Zuletzt geändert am: 27.11.2021