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EBSW - Wort auf den Weg 3/2018

Tochter, Zion, freue dich
Evangelisches Gesangbuch Nr. 13 – Sacharja 9.9

Das Lied „Tochter Zion“ gehört für mich seit Kindertagen zum Advent. Jedes Jahr spielte meine Großmutter das festliche Lied auf dem Klavier. Inbrünstig sang mein Großvater, der kein frommer Mann war, mit. Dass mein Großvater dabei immer Tränen in den Augen hatte, ist mir als Kind nicht entgangen. Sonst habe ich bei meinem Großvater nie Tränen gesehen.

Als Kind wusste ich nicht, dass Tochter Zion ein anderes Wort für Jerusalem ist. Das machte aber gar nichts. Obwohl ich nicht wusste, wer die Tochter Zion war, mochte ich diese Tochter. Vielleicht machte das alles sogar noch schöner, denn so lag über dem Lied ein wunderbares Geheimnis. Die festliche und getragene Melodie machte ohne Worte klar, dass es hier um eine ganz tiefe und wichtige Freude ging.

Erst viel später habe ich erfahren, dass das Lied von der Tochter einem Bibeltext abgelauscht ist. Bei Sacharja heißt es: „Du, Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel, auf einem Füllen der Eselin.“ (Sach 9.9).

Dass der Heiland in die Welt einzieht, wird da versprochen. Er, der alles, alles heil macht und Frieden bringt, kommt in die Welt. Wie friedlos die Welt ist, wird jeden Tag deutlich, wenn wir im Radio Nachrichten hören: Da ist die Rede von Kriegen, Terror, Straftaten, Niedertracht und Vertreibung. Meine Großeltern haben zwei Weltkriege mitgemacht. Heute weiß ich die Tränen meines Großvaters eher einzuordnen.

Trotz alledem ist die Ankunft des Friedefürsten versprochen. Im Advent bereiten wir uns auf die Ankunft des Friedefürsten vor. Advent ist die Zeit der Vorfreude. Nun kann man Freude nicht anordnen. Eine Pflicht zur Freude ist Unfug. Aber man kann sich vielleicht auf dem Weg zur Freude mitnehmen lassen. Das kann geschehen, wenn man ein Adventslied mitsingt. Beim Singen passiert nämlich etwas. Beim Singen arbeitet das Gesungene in unserem Inneren. Wer das Lied „Tochter Zion“ mitsingt, übt sich ins Freuen ein.

Was wäre Advent und Weihnachten ohne das Singen und Musizieren? Wie schön, dass wir in der Kirche Orgeln haben. Wie schön, dass es Kirchenmusiker gibt, die unseren Gesang begleiten und stützen. Allein ist Singen nämlich ganz schön schwer.

Ihr Peter Schaal-Ahlers

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