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EBSW - Bericht vom Jahresfest 2019

Das Jahresfest 2019 feierte der EBSW am 26. Mai in gewohnter Umgebung, nämlich in den Räumen der Stuttgarter Paul-Gerhardt-Gemeinde.

Im Mittelpunkt des Gottesdienstes am Vormittag stand die Predigt von Kirchenrätin Dr. Karin Grau. Den Predigttext entnahm sie dem Johannes-Evangelium Kapitel 16, Verse 23b bis 28 und 33. „In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden“, sagt Jesus. Angst und Scham, auch wenn sie eine wichtige Schutzfunktion für uns haben, wirken sich nur zu oft als große Belastung auf unser Leben aus. „Eigentlich schäme ich mich den ganzen Tag.“ Diese Aussage einer Schülerin, die Frau Dr. Grau im Vorübergehen aufschnappte, sollte uns allen zu denken geben.

Jesus ist nicht vor der Angst davongelaufen, sondern er hat sich ihr ausgeliefert und sie dadurch überwunden. Wir sind aufgerufen, ihm im Glauben nachzufolgen, also sehr wohl in der Welt zu stehen, aber uns im Blick auf ihn dafür einzusetzen, dass Angst überwunden wird und sich niemand mehr „den ganzen Tag zu schämen“ braucht.

In diesem Gottesdienst wurde Helmut Borchers als stellvertretender Vorsitzender des EBSW eingesetzt. Frau Dr. Grau dankte zunächst seiner Vorgängerin Dorothee Hahn für ihren engagierten, ideenreichen Einsatz während ihrer achtjährigen Amtszeit. Das Anliegen von Helmut Borchers sei es, so berichtete sie aus einem Gespräch mit ihm, eigene positive Glaubenserfahrungen und Ermutigungen an andere weiterzugeben. Dazu sei der EBSW für ihn der richtige Ort.

Der Chor des EBSW trug mit zwei Motetten von Joseph Gabriel Rheinberger und Felix Mendelssohn Bartholdy zur Gestaltung des Gottesdienstes bei.

Der EBSW-Chor besteht seit 40 Jahren.

Das Nachmittagsprogramm stand ganz im Zeichen des 40-jährigen Jubiläums des EBSW-Chors.

Gegründet wurde der Chor 1979 vom blinden Musiklehrer Erwin Wieland. An der Nikolauspflege, wo er unterrichtete, hatte er mit dem „Anstaltschor“ bereits viele Erfahrungen in der Chorarbeit mit blinden Sängerinnen und Sängern gesammelt. Nachdem er 1978 in Denkendorf eine Singfreizeit des damaligen Christlichen Blindendienstes (CBD) geleitet hatte, lud er im Jahr darauf blinde, sehbehinderte und sehende Sangesfreudige zu einigen Probensamstagen nach Stuttgart ein, um mit ihnen Chorsätze für den Gottesdienst und das Nachmittagsprogramm des bevorstehenden Landesblindentages einzustudieren. Da die wenigsten blinden Menschen die Braille-Notenschrift beherrschen, verschickte Erwin Wieland vor den Proben Audiokassetten an die Chormitglieder, damit diese zu Hause bereits ihre Stimmen einüben konnten. Noch heute, 40 Jahre danach, gestaltet sich die Chorarbeit nach demselben Schema, auch wenn der CBD jetzt Evangelischer Blinden- und Sehbehindertendienst Württemberg (EBSW), der Landesblindentag Jahresfest heißt und die Übungskassetten durch CDs ersetzt wurden.

Anfang der 1990er Jahre legte Erwin Wieland aus gesundheitlichen Gründen die Chorarbeit in die Hände von Pfarrer Alfred Neupert. Aber auch er hatte mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. 1994 konnte er zwar noch das Programm ausarbeiten, musste aber die Chorproben und den Auftritt des Chores beim Jahresfest Elfriede Hahn überlassen, die damals als Sozialarbeiterin beim EBSW tätig war. Da aber Frau Hahn noch im selben Jahr den EBSW verließ, wurde ich, Eberhard Hahn, gebeten, die Leitung des EBSW-Chores zu übernehmen. Diesen Dienst versehe ich noch heute.

Natürlich begnügte sich der Chor am Nachmittag des 26. Mai nicht mit den üblichen zwei Liedern zur Umrahmung des Programms. Für diesmal hatte er einige sehr verschiedene Chorsätze vorbereitet. Neben anspruchsvollen Sätzen von Hassler und Lahusen gab es auch zwei kleine, freche Kanons zu hören.

Begonnen hat das Nachmittagsprogramm mit einer gespielten Chorprobe, zu der auch das Publikum eingeladen wurde. Zunächst gab es die üblichen Einsingübungen. Danach wurde – gewissermaßen im Schnellverfahren – ein vierstimmiger Volksliedsatz einstudiert und gemeinsam gesungen.

Besondere Höhepunkte

In meinen Ausführungen, die wir mehrmals durch Chorgesang unterbrochen haben, erinnerte ich an besondere Ereignisse, die der Chor in den zurückliegenden Jahren erlebte. So hat er beispielsweise zweimal – 1999 und 2015 – beim Evangelischen Kirchentag in Stuttgart mitgewirkt. Besonders eindrücklich war der Dunkelgottesdienst 2015, der auf so großes Interesse stieß, dass sich einige Gäste mit Stehplätzen und Notsitzen auf den Treppenstufen begnügen mussten. Einen weiteren Dunkelgottesdienst hat der EBSW-Chor 2009 in der Hospitalkirche Stuttgart mitgestaltet.

Dreimal ist es gelungen, im Gottesdienst an den Jahresfesten zusammen mit dem Chor der Paul-Gerhardt-Gemeinde zu musizieren. Neben zwei doppelchörigen Psalmvertonungen von Heinrich Schütz dürfte vielen Zuhörern noch die Kantate „Alles, was ihr tut“ von Dietrich Buxtehude in Erinnerung geblieben sein, die wir 2011 aufführten.

Ein besonderer Höhepunkt war das Nachmittagsprogramm 2014, als der Chor eine Schulstunde spielte. Es war gelungen, Professor Dieter Hudelmayer einzuladen, der in jungen Jahren an der Nikolauspflege unterrichtet hatte. Sein Vater, der Oberlehrer Hudelmayer, gehörte gewissermaßen zum Urgestein an der „Blindenanstalt“. Professor Hudelmayer erzählte sehr lebendig und humorvoll aus seiner Zeit als „Junglehrer“. Mit Bestürzung haben wir ein halbes Jahr später vom Tod Professor Hudelmayers erfahren.

Als die Stuttgarter Bahnhofsmission im Jahr 2008 ihr 100-jähriges Jubiläum feierte, war unser Chor in der Bahnhofshalle mit der „Apfel-Kantate“ von Christian Lahusen zu hören – ein Grund, dieses Stück beim diesjährigen Nachmittagsprogramm erneut anzustimmen.

Wir gedachten anschließend derjenigen, die unseren Chor im Laufe der Jahre verlassen mussten. 15 Namen standen auf der Liste der Verstorbenen. Erst vier Tage zuvor war unser langjähriges Chormitglied Erika Nothdurft verstorben. Der Tod vom „Erikäle“ machte wohl alle Anwesenden sehr betroffen. Sie hat uns noch kurz zuvor einen kleinen Gruß in Gedichtform an den Chor aufgetragen, der hier wiedergegeben werden soll:

Zum 40-jähringen Jubiläum des EBSW-Chors

Lieber EBSW-Chor, du bisch mei Freind,
mir hend's scho emmer guat mitanander g'meint.
Lange Zeit war i en dir dren,
es isch schade, dass i's nemme ben.
Ja, i tät mi gar net schäma,
di einfach en da Arm zu nehma,
doch es isch halt gar zu domm:
's langt net rom!
Drom, lieber EBSW-Chor, kriegscht du zom Schluss
von mir no en platonischa Kuss.

(Erika Nothdurft, telefonisch übermittelt am 15. Mai 2019)

Einige ehemalige Chormitglieder sind ausgeschieden, weil es ihnen zu anstrengend wurde, die Chorproben in Stuttgart zu besuchen. Andere waren aus verschiedenen Gründen verhindert. Genannt seien Beate Bauer, Ingeborg Frank, Volker Friederich, Elli Schmitt und Gabi und Manfred Strecker.

Wer singt im EBSW-Chor?

Nun aber sollten die Zuhörer auch einmal erfahren, wer da alles vor ihnen auf der Bühne saß und sie mit Chorgesang erfreute. Deshalb veranstaltete der Chor, wie zu Beginn der Proben üblich, eine kurze Vorstellungsrunde. Die Namen seien auch hier wiedergegeben.

Sopran: Irmgard Grötzinger, Dorothee Hahn, Marita Peter, Irma Schimpf, Hildegard Schmidt, Heike Sohail und Susanne Ussat.

Alt: Ingrid Herz, Regina León, Heide Manz, Sigrid Munk, Margarete Simon und Heide Stegmaier.

Tenor: Dietmar Böhringer, Helmut Borchers, Albert Häfner, Arthur Merkel, Heinz Schimpf und Dr. Ernst Worbs.

Bass: Johannes Gradmann, Dr. Eberhard Grötzinger, Eberhard Oehler, Harry Schaap und Rule Störmer.

Die meisten Chormitglieder kommen aus dem Großraum Stuttgart, aber als Heimatorte wurden beispielsweise auch Herbrechtingen, Schrammberg-Heiligenbronn und Oberndorf am Neckar genannt. Dies allein zeigt schon, mit welchem Engagement sich die Sängerinnen und Sänger in die Chorarbeit einbringen. Aber sie investieren ja nicht nur ihre Zeit, sondern lernen vielfach auch ihre Stimmen auswendig – eine Leistung, die ich an dieser Stelle ganz besonders hervorheben möchte. Natürlich pflegt man das gemeinsame Singen zur eigenen Freude, aber der Chor erfüllt auch eine wichtige und schöne Aufgabe im EBSW. Eine gelungene Aufführung ist wohl der schönste Dank, den die Sängerinnen und Sänger für ihren treuen Einsatz erleben können.

Aber das Singen während der Proben macht auch Hunger und Durst. Deshalb haben wir besonders das Küchen- und Organisationsteam gewürdigt, das jedesmal zuverlässig für das leibliche Wohl der Choristen sorgt. Margret Bittighofer, Klaus de Cruppe, Brigitte und Bruno Engling und Annette Harter-Dieterle bilden das derzeitige Team. Aber auch Hildegard Forschner, die den Chor jahrelang mit ihren Kochkünsten erfreute, und Erwin Pigisch seien nicht vergessen. Ein herzlicher Dank an alle Helferinnen und Helfer!

Nachdem der Chor offiziell sein Jubiläumsprogramm beendet hatte, bedankten sich Pfarrer Bittighofer und Frau Harter-Dieterle herzlich bei ihm und seinen Unterstützern. Mit einem steyrischen „Zottelmarsch“ setzte der Chor daraufhin noch einen markanten Schlusspunkt.

Das abschließende „Wort auf den Weg“ gestaltete Pfarrer Bittighofer mit einigen Zitaten von Martin Luther. Der Reformator war überzeugt, dass die Musik eine unmittelbare Gabe des Himmels ist, „Weil die lieben Engelein selber Musikanten sein.“

Dr. Eberhard Hahn

Vom Jahresfest haben wir eine CD erstellt (Audio- und Daisy-Format). Diese gibt es in der EBSW-Geschäftsstelle, Tel. 07191 – 6 00 00.

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© 2014 by EBSW | Zuletzt geändert am: 25.9.2020