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EBSW - Bericht von der Adventsfreizeit 2019

Adventsfreizeit in Rottenburg/Neckar

Am Neckar, am Neckar,
do ischt a jedes gern;
wer d‘Hoimat hat am Neckar,
der sehnt se net in d‘Fern.
Juhe …

Vielleicht war u.a. auch dies ein Grund, im Advent nach Rottenburg zu reisen? 22 Blinde, Seheingeschränkte und Sehende waren der Einladung des EBSW gefolgt. Das vielseitige Programm, die täglichen, morgendlichen Gesprächsrunden mit Pfarrer Dr. Grötzinger, das Treffen mit alten Bekannten und neuen Teilnehmern sowie die Römer- und Bischofsstadt selbst haben einfach „gezogen“.

Wir wurden sehr freundlich empfangen und konnten uns anschließend bei Kaffee und Kuchen stärken. Danach wurde zu einem ersten Orientierungsspaziergang ins Stadtzentrum und zu einem kleinen Orgelkonzert in den Dom eingeladen. Noch erfüllt von der schönen Musik, strebten wir wieder zum Gästehaus zur verabredeten Hausführung. Anschließend stärkten wir uns beim Abendessen.

Um 19.30 Uhr traf man sich im Gruppenraum zum gegenseitigen Kennenlernen, zum Hören der mitgebrachten Erwartungen und zur Programmbesprechung. Nach dem Abendlied und Segen ging der offizielle Teil zu Ende. Einige trafen sich noch zum Tagesausklang in der Kellerbar.

Die nächsten Tage begannen um 8.00 Uhr mit einem kurzen „Wort zum Tag“. Nach dem Frühstück gab es zu Beginn des Bibelgesprächs jedes Mal eine verpackte Überraschung, z. B. eine Krone, ein Stammbaum, eine Holzskulptur „Maria und Jesuskind“, … Diese Überraschungen durften abgetastet werden und waren dann der Gesprächsaufhänger. Daraus ergaben sich lebhafte und interessante Diskussionen.

Anschließend lud Melitta Petzel zu kleinen Körperübungen ein – eine fröhliche Sache! Die Zeit bis zum Mittagessen wurde bei bestem Wetter für Spaziergänge oder anderes genutzt.

Am Nachmittag gab es eine Stadtführung. Sie begann im Dom mit einer geschichtlichen Einführung. Danach wurden uns einige markante Gebäude, abtastbare Brunnen und Skulpturen vorgestellt, u.a. auch die Sankt Moriz-Kirche. Während der Führung begegneten uns immer wieder Texte des Dichters Sebastian Blau alias Josef Eberle, so auch auf der nach ihm benannten Neckarbrücke:

En Raoteburg stoht uf dr Bruck
e Heiliger Sankt Nepomuk.

Abends waren wir von der „Kolpingfamilie“ in Ergenzingen zu einem adventlichen Abend zum Thema „Neues entdecken“ eingeladen. Nachdem sich alle Teilnehmer an den Tischen gemischt verteilt hatten, wurden uns kuriose Quizfragen gestellt. Bei Tee und Gebäck kamen wir gut ins Gespräch und diskutierten mögliche Antworten. Nach einem gemeinsamen Lied und der Vorstellung denkbarer Lösungen ergaben sich weitere Gespräche, auch zum Thema „Blindsein“.

Am nächsten Tag besuchten wir die Synagoge in Baisingen. Sie blieb vom Abbrennen verschont, weil sie zu dicht bei anderen Häusern stand, aber sie wurde innen stark beschädigt. Im Ausstellungsraum sind viele Dokumente aufbewahrt. Nachkommen der ausgewanderten Juden halten noch die Verbindung zu Baisingen aufrecht.

Ein wundervolles Erlebnis gab es am Samstagabend. Die Mädchenkantorei des Domchors mit 120 Mädchen zwischen sechs und achtzehn Jahren sang im Wechsel mit Lesungen Werke von Britten, Bach und anderen. Zwischendurch wurden auch die Konzertbesucher eingeladen, gemeinsam zu singen. Das Zusammenspiel von Harfe, Chor und Orgel war einzigartig und unvergesslich!

Am Sonntag besuchten wir den evangelischen Gottesdienst. Frau Haag nutzte die Gelegenheit, den EBSW kurz vorzustellen.

Am Abend kam Herr Bayer zu uns und erzählte über Sebastian Blau. Wir hörten einige seiner Gedichte. Nett z.B.:

… dia Goge' nemmets et so gnau,
en deane ihren saure' Wei'
därf wohl e bißle Wasser nei'
– ond evangelisch send se ao.

(Für Nichtschwaben: Goge – mundartliche Bezeichnung für Tübinger Weinbauern)

Tags darauf war das Zunfthaus der Rottenburger Narrenzunft unser Ziel. Ein Vertreter der Zunft berichtete vom historischen Hintergrund der Fasnet und erläuterte uns einige Figuren. Im Ausstellungsraum durften wir vielerlei Gewänder und Figuren betasten.

Am letzten Nachmittag besuchten wir das römische Stadtmuseum. Etwa 80 n.Chr. zogen die Römer in die Keltenstadt am Neckar. Sie errichteten hier u.a. öffentliche Badeanstalten und Latrinen. Gut, dass wir im Heute leben, denn eine Toilettenanlage mit 35 offenen Sitzen nebeneinander wäre für uns nicht gerade einladend.

Der Abschlussabend verging mit Singen sowie mit fröhlichen und besinnlichen Beiträgen wie im Fluge.

Ein großer Dank gebührt Frau Haag und Pfarrer Dr. Grötzinger für die ausgezeichnete Vorbereitung und Organisation der Freizeit. Auch den Fahrern herzlichen Dank, denn ohne sie wäre die Durchführung der Freizeit so nicht möglich gewesen. Ebenso ist den Mitarbeitern im Gästehaus für ihre stete Hilfsbereitschaft und die ausgezeichnete Versorgung herzlich zu danken.

Dorothea Rein

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